Vorbeugung der Parodontitis und Periimplantitis.

parodontitisDas wichtigste ist der Ursache die Basis zu entziehen! Das bedeutet: Vermeidung und Beseitigung von Ablagerungen auf der Zahn- und Implantatoberfläche mit den entsprechenden Hilfsmitteln (Zahnbürste, Zahnzwischenraumbürste, Zahnseide, Zungenbürste, Mundspüllösungen, usw). Doch das alleine reicht meist nicht aus! Daher ist eine regelmäßige Reinigung und Kontrolle durch unser zahnmedizinisches Fachpersonal in der Praxis unbedingt zu empfehlen.

Behandlung der Parodontitis

Die Parodontitis ist eine bakteriell bedingte Entzündung, bei der Anteile des Zahnhalteapparates verloren gehen. Das Ziel der Parodontitis-Therapie ist es, die Entzündung zu stoppen und für gesunde Verhältnisse des Zahnhalteapparates zu sorgen. Der Knochenabbau wird so zum Stillstand gebracht, eine Voraussetzung für den Zahnerhalt bis ins hohe Alter.

Besteht über längere Zeit ( Wochen bis Monate) eine Gingivitis (Zahnfleischentzündung), setzt sich das Entzündungsgeschehen in die Tiefe des Gewebes fort und nach und nach wird dabei auch der zahntragende Knochen in Mitleidenschaft gezogen. Je nach individueller Abwehrbereitschaft des Immunsystems dauert dies unterschiedlich lange, ist allerdings bei einer chronischen Entzündung unausweichlich.

Das Immunsystem des Körpers reagiert auf die permanente Reizung durch Bakteriengifte und versucht aktiv die Entzündung zu bekämpfen. Durch verschiedene Botenstoffe des Immunsystems werden die Blutgefäße im Zahnfleisch weitgestellt, um mit der erhöhten Durchblutung ausreichend Abwehrzellen an den Ort des Geschehens zu bringen.

Das Zahnfleisch erscheint dunkelrot und blutet bereits bei leichter Berührung. Erfolgt keine Entfernung der Zahnbeläge /Zahnstein/Konkremente setzt sich der Prozess in die Tiefe fort und die oberen Ränder des Knochens werden entzündungsbedingt abgebaut. Der Körper versucht so den entzündeten Bereich zu reinigen und den Reiz zu beenden. Mikroorganismen und deren Zerfallsprodukte sorgen jedoch in der Tiefe (und damit nicht durch Zahnbürste, und auch nur sehr begrenzt durch die Mundspülung erreichbar) zwischen dem Zahn und dem umgebenden Zahnfleisch für ein Fortschreiten des Entzündungsprozesses. Durch den Rückgang des Alveolarknochens liegen jetzt sogenannte „Zahnfleischtaschen“ vor. In diesem Stadium der Entzündung reicht das Zahnfleisch häufig noch auf seine ursprüngliche Lage am Zahnhals, obwohl die Schädigung des zahntragenden Knochens bereits irreversibel ist. Eine trügerische Situation, denn so ist der Knochenverlust oberflächlich nicht zu erkennen. Einmal abgebauter Knochen ist unwiderbringlich verloren - Es entsteht eine chronische, oft schubweise verlaufende Entzündung. Chronische Phasen der Erkrankung wechseln sich ab mit akuten Phasen, die sich oftmals durch Mundgeruch, Eiter oder Blutungen bemerkbar machen. Doch auch diese Phasen verlaufen häufig schmerzfrei und die Parodontitis bleibt dadurch unbemerkt. Durch die Ablagerung von Zellresten und Bakterienprodukten entstehen in der Tiefe der Taschen auch sogenannte Konkremente (ähnlich dem Zahnstein oberhalb des Zahnfleisches). Diese verhindern ebenfalls den Heilungsprozess. Bei fortschreitendem Knochenabbau werden die Zähne zunehmend locker. Dabei kommt es häufig zum Erscheinungsbild der „langen Zahnhälse“ sowie Drehungen und Kippungen. Die Parodontitis führt unbehandelt unweigerlich zu einer fortschreitenden Lockerung und schließlich zum Verlust der Zähne.

Liegt bereits ein Rückgang des Alveolarknochens vor, reicht die Reinigung der Zahnoberflächen oberhalb des Zahnfleisches allein nicht aus. Die Therapie der Parodontitis beginnt mit einer professionellen Zahnreinigung. Durch die Entfernung der Plaque (Zahnbelag) und des Zahnsteins sowie die Politur der Zahnoberflächen ist bereits eine oberflächliche Regeneration des Zahnfleisches möglich. Bei Erhalt der verbesserten hygienischen Situation durch tägliche gründliche Zahnpflege zuhause stellen sich erste Besserungen schnell ein. Die Blutung nimmt ab, das Zahnfleisch ist weniger empfindlich und geschwollen. Entscheidend für den Erfolg der Therapie ist vor allem die kontinuierliche Mitarbeit des Patienten. Ohne eine tägliche, gründliche Mundhygiene ist keine Heilung zu erwarten. Nach erfolgreich abgeschlossener Vorbereitungsphase geht es jetzt an die Taschenreinigung. Hierbei werden die Konkremente von den Wurzeloberflächen entfernt und die Wurzeloberflächen geglättet (Kürettage). Dies geschieht mit feinen Ultraschallspitzen ( ergänzt durch Handinstrumente) die zwischen dem Zahn und seinem umgebenden Zahnfleisch vorsichtig in die Tiefe geschoben werden. Die Behandlung erfolgt meist an zwei aufeinanderfolgenden Terminen. Die Spitzen der Instrumente verletzen hierbei das Zahnfleisch nicht, sondern arbeiten ausschließlich an der Oberfläche der Zahnwurzeln in der Tiefe der Taschen. Die Wasserkühlung und eine anschließende Spülung unterstützen dabei die Reinigung und sorgen für eine weitere Bakterienreduktion. Da die Behandlung für die meisten Patienten trotzdem etwas unangenehm ist, wird das Zahnfleisch vorher betäubt. An einem Folgetermin zur Nachkontrolle / Nachreinigung werden die Ergebnisse der Reinigung kontrolliert, bei Bedarf werden eventuell verbliebene Reste der Konkremente entfernt. Die endgültige Wundheilung dauert jedoch mehrere Monate. Obwohl der Knochenverlust an den Zahnwurzeln vom Körper nicht wieder knöchern verheilt, kommt es bei Erfolg der Behandlung langfristig zu einem Verschluss der Taschen. Bindegewebe füllt den Defekt auf und sorgt für einen dichten Verschluß, was bei starkem Knochenverlust auch zu einer leicht erhöhten Festigung gelockerter Zähne führt. Um einem Wiederaufflammen der Entzündung durch Reinfektion vorzubeugen bzw. dieses frühzeitig zu erkennen, ist es unbedingt notwendig regelmäßige Recall-Termine wahrzunehmen. – lebenslange Kontrolle/Beobachtung (und falls erforderlich Nachbehandlung) sichert das Behandlungsergebnis und führt so zum langfristigen Zahnerhalt. Zusätzlich empfiehlt sich die regelmäßige professionelle Zahnreinigung mit „Putztipps“ zum Optimieren der häuslichen Mundhygiene.

Keimtest

Unter den an der Parodontitis-Entstehung beteiligten Bakterien unterscheidet man aggressive von weniger aggressiven Keimgruppen. Bei einem raschen Fortschreiten der parodontalen Zerstörung, schweren Knocheneinbrüchen an vereinzelten Stellen oder ausgedehntem Knochenverlust in jüngerem Patientenalter kann ein Keimtest nützlich sein. Nach einer Entnahme von Bakterienproben wird die exakte Zusammensetzung des Keimspektrums im Labor bestimmt. Bestätigt sich der Verdacht auf ein aggressives Keimspektrum, wird unterstützend zur instrumentellen Reinigung der Wurzeloberflächen ein darauf abgestimmtes Antibiotikum verschrieben. Der Keimtest ist nicht im Leistungsumfang der Krankenkassen enthalten, im Bedarfsfall sowie bei Fragen ihrerseits hierzu beraten wir sie umfassend in unserer Praxis.

Periimplantitis

Grundsätzlich kann der Verlust des Zahnhalteapparates mit dem Knochenverlust am Implantat (Periimplantitis) verglichen werden. Im Unterschied zur Parodontitis am Zahn gestaltet sich die Behandlung der Periimplantitis jedoch ungleich schwieriger bzw. hat eine schlechtere Prognose, da eine gründliche Reinigung und Glättung durch die im tieferen Anteil gewindeartig gestaltete Implantatoberfläche erschwert wird. Umso wichtiger ist hier die regelmäßige Prophylaxe um der Entwicklung einer Periimplantitis vorzubeugen.

Informationen zu Rezessionsdeckungen und anderen chirurgischen Eingriffen aus dem Bereich der Parodontologie finden Sie unter dem Punkt Chirurgie.

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